Deutscher Sommer 2026: Extreme Hitzewellen mit 12.000 Hitzetoten

Fehlender Hitzeschutz in Krankenhäusern und Altenheimen

Klaus Meier

Große Teile Deutschlands erlebten in den Monaten Juni bis August extreme Hitzewellen, für die es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen keine vergleichbaren Beispiele gibt. Die Temperaturschwelle von 40 Grad Celsius wurde dabei immer wieder durchbrochen. Insbesondere in den Städten kam es immer wieder zu tropischen Nächten, bei denen die Temperaturschwelle von 20 Grad Celsius nicht unterschritten wurde. Diese extremen Wetterbedingungen führten für einen Teil der Bevölkerung zu einer erheblichen gesundheitlichen Belastung. Betroffen sind besonders Beschäftigte, die eine körperlich belastende Tätigkeit ausüben müssen, so besonders im Hoch- und Tiefbau. Und natürlich Menschen mit Vorerkrankungen, die sich bereits in einem höheren Alter befinden. Das zeigte sich auch in einer deutlich angestiegenen Zahl von hitzebedingten Todesfällen. Eine Berechnung des Robert-Koch-Instituts (RKI) von Anfang August 2026 kommt dafür auf rund 12.000 Hitzetote.
Photo: Extreme Hitze - KI-erzeugtes Bild

Zeitraum 22. Juni bis Anfang August: Hitzewellen führen zu fast 12.000 Sterbefällen

Insbesondere im Süden und im Westen Deutschlands gab es in den drei Hitzewellen von Juni bis Ende August immer wieder thermische Spitzenwerte von über 40 °C. In den Städten gingen vielfach die Nachttemperaturen nicht mehr unter 20 Grad Celsius zurück. Das hat zu einem dramatischen Anstieg der Sterblichkeit geführt. Bisher sind im Jahr 2026 schätzungsweise 9.800 Menschen an hitzebedingten Ursachen gestorben, heißt es im Wochenbericht des Robert Koch Institute (RKI) von Anfang August 2026. Bereits für die Woche vom 22. bis 28. Juni hatte das RKI ein erstes Mortalitätslisting herausgegeben. Dabei errechnete es einen Anstieg der Todesfälle um 32% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zahlenmäßig waren es 5.100 Todesfälle, die während dieser sieben Tage im Juni direkt der Hitze zugeschrieben werden müssen. Für den Zeitraum von Anfang April bis zum 12. Juli kam das Institut dann auf 7.900 Todesfällen, zu dem schließlich weitere 1.900 Todesfälle in der Woche vom 13. bis 19. Juli hinzugefügt wurden. Am Ende der ersten Augustwoche teile, das RKI dann mit, dass in diesem Sommer bereits 11.900 Menschen gestorben sind1. Die endgültige Zahl für den Sommer dürfte aber noch weiter steigen, denn die extremen Hitzetage im August sind noch nicht eingeschlossen. Die berechnete Zahl der Hitzetoten ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Parallel dazu dürfte die extreme Hitze in den Wohnungen und an den Arbeitsplätzen bei zehntausenden Menschen eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes hervorgerufen haben. Doch da es dazu keine Zahlen gibt, wird das wirkliche Ausmaß dieses Hitzesommers in der öffentlichen Debatte klein gehalten.

 

Statistische Übersterblichkeit

Rechtsradikale Klimaleugner stellen die Sterblichkeitszahlen natürlich gerne in Frage. In der öffentlichen Debatte sollte man daher verstehen, wie sie zustande kommen. Um die Zahl der Hitzetoten zu ermitteln, greift das Robert Koch-Institut auf die Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamts zurück und vergleicht die Sterbefälle einer Woche mit dem Mittel der Sterbefälle aus den Vorjahren2. Es handelt sich also um eine statistisch abgeglichene Übersterblichkeit. Es ist ein Verfahren, das von Wissenschaftlern weltweit genutzt und als eine realitätsnahe Methode anerkannt wird. Dieses Monitoring kann immer nur nach einer Hitzewelle veröffentlicht werden, weil es nicht zuletzt von den vom Statistischen Bundesamt zusammengestellten Sterblichkeitszahlen am Ende einer Periode abhängt. 

 

Vorerkrankungen und eine extreme Hitze – eine oftmals tödliche Kombination

 

Hitze wird selten als direkte Todesursache auf den Sterbeurkunden eingetragen, außer bei einem Hitzeschlag. In den meisten Fällen führen extrem hohe Temperaturen aber zu einer deutlichen Verschärfung bestimmter Vorerkrankungen. Das gilt besonders für Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder Nierenerkrankungen. Auf dem offiziellen Totenschein taucht dann aber nicht die extreme Hitze auf, sondern die bestehende Grunderkrankung. Daher wird Hitze als als „stille Todesursache“ beschrieben. Ältere Erwachsene tragen das höchste Risiko einer hitzebedingten Sterblichkeit. Das geht auch aus den RKI-Zahlen hervor. So trat die Sterblichkeit typischerweise in Wochen auf, in denen die Durchschnittstemperatur 20 Grad Celsius deutlich überschritten hat. Im Ergebnis waren es dann vor allem Menschen über 75, die die mit Abstand größte Gruppe unter den berechneten Todesfällen einnahm. Das so viele Menschen vor allem im Sommer sterben ist in Deutschland ein Novum. Im Allgemeinen sterben in Deutschland im Winter mehr Menschen als im Sommer.

 

Klimaentwicklung führt zu längeren und extremeren Hitzewellen

Bedeutsam ist, dass die Zahl der Todesfälle in 2026 den bisherigen Rekord des extremen Hitzejahres 2018 übertrifft, als etwa 8.900 hitzebedingte Todesfälle gezählt wurden. Das ist nicht zuletzt ein Ausdruck der sich verschärfenden Klimakrise, angetrieben von der immer weiteren Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre und in der Folge zu einem deutlichen Anstieg der Meerestemperatur. Wissenschaftler warnen davor, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel Hitzewellen häufiger, länger und intensiver macht und das Risiko von hitzebedingten Krankheiten und Todesfällen erheblich erhöht. Dieses Muster spiegelt einen besorgniserregenden globalen Trend wider, der Millionen von Menschen weltweit betrifft, insbesondere die am stärksten gefährdeten Gruppen wie ältere Menschen, chronisch kranke und einkommensschwache Menschen, die weniger Zugang zu Kühlsystemen haben.

 

Gesundheitswesen unterfinanziert und am Limit

„Die derzeit vorhandenen Mittel für den Hitzeschutz sind, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der sehr angespannten Haushaltslage der Kommunen, bei weitem nicht ausreichend“, heißt es beim Deutschen Städte- und Gemeindebund3. „Allein in den Krankenhäusern besteht ein geschätzter Investitionsbedarf von mindestens 20 Milliarden Euro für eine Ausstattung mit Klimaanlagen für Patientinnen und Patienten sowie das Klinikpersonal.“ 4
So verfügen 62 Prozent der deutschen Krankenhäuser über keinerlei Klimatisierung in den Patientenzimmern. Das bedeutet allerdings nicht, dass in den 38 Prozent der Kliniken, die über Klimatisierungen verfügen, sämtliche Patientenzimmer auch damit ausgerüstet sind. In der Konsequenz sind die meisten Krankenhauspatienten in Deutschland den aktuellen Hitzewellen weitgehend schutzlos ausgeliefert. Es stehen zur Linderung der Hitze nur sehr einfache und wenig wirksamen Mittel wie Verschattung und Ventilatoren zur Verfügung. Der Grund für das weitgehende Fehlen von Klimaanlagen ist die jahrzehntelange Unterfinanzierung der Infrastruktur des Gesundheitswesens. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert daher ein mehrjähriges Investitionsprogramm im Umfang von 31 Milliarden Euro für den klimagerechten Umbau der Krankenhäuser. Bei der aktuellen Bundesregierung dürfte dies auf taube Ohren stoßen, das sie alle verfügbaren Mittel in die militärische Aufrüstung Deutschlands steckt5. So erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius Ende April 2026, dass „die Bundeswehr zur konventionell stärksten Armee Europas“ entwickelt werden soll. „Langfristig werden wir technologische Überlegenheit herstellen.“ 6
Noch schlimmer als in den Kliniken sieht es mit dem Hitzeschutz in den Pflegeheimen aus. Laut dem Statistischen Bundesamt wurde in nur 14 Prozent der Neubauten von Pflegeheimen im letzten Jahr Klimaanlagen eingebaut7,8. In den Bestandsbauten sieht es noch viel schlimmer aus. So überstieg in der jüngsten Hitzewelle die Nachttemperatur in Zimmern vieler Pflegeheimen die 30 Gradmarke.

 

Deutsche Regierung: Verweigerung von Hitzeschutz- und Klimaschutzmaßnahmen

Eine verantwortungsbewußte Regierung würde jetzt eigentlich auf zwei Ebenen reagieren: Einerseits für mehr Hitzeschutz sorgen und gleichzeitig die Ursachen der Klimakatastrophe bekämpfen.
Doch die deutschen Bundesregierung ist davon Lichtjahre entfernt. Typisch war die Äußerungen von Bundeskanzler Merz während seiner Sommerpressekonferenz. Auf die Frage, warum er sich bisher nicht zu den Hitzetoten geäußert habe, vermerkte er dazu lediglich: „Ich werde selbstverständlich auch in den nächsten Tagen und Wochen, wenn sich diese Wetterentwicklungen fortsetzen, die Lage weiter beobachten und dazu gegebenenfalls auch öffentlich etwas sagen.“
Dieser lapidare und völlig empathielose Umgang mit der Klimakrise lässt auch politische Beobachter im Angesicht dieses Kanzlers fassungslos zurück. Kein Wort der Anteilnahme für die Angehörigen der vielen tausend Todesopfer. Kein Wort über die Kosten und Folgen der Hitzewellen. Auch kein Wort über dringend notwendige Hitzeschutzmaßnahmen in den Krankenhäusern, Seniorenheimen oder in den Schulen. Einfach nur „weiter beobachten“ und „gegebenenfalls etwas dazu sagen.“ Man fragt sich, wann bei diesem Kanzler die Schwelle erreicht sein muss, bei der er doch etwas sagen will.
Dazu kommt das völlige Versagen der Merz-Regierung bei der Ursachenbekämpfung der Klimakrise. Statt die CO2-Emissionen zu senken, beschließt diese Regierung genau das Gegenteil: Zeitgleich mit den sommerlichen Hitzewellen wird die Solarförderung und der Netzanschluss von Speichern, Wind- und Solaranlagen massiv behindert. Im Gegenzug sollen rund zwanzig neue Gaskraftwerke gebaut werden. Diese Politik steht für eine verantwortungslose, fossile Politik. Dazu kommt, dass die Merz-Regierung den Klima- und Transformationsfonds (KTF) regelrecht ausplündert. Rund drei Milliarden Euro sollen in 2027 aus dem KTF entnommen werden um Haushaltslöcher zu stopfen. Sie haben nichts mit Klimapolitik zu tun und sind letztlich allein durch eine verantwortungslose Aufrüstungspolitik der Regierung entstanden. Es wird geschätzt, dass dadurch in den kommenden vier Jahren bis zu 13 Milliarden Euro im Klimafonds fehlen werden. Das sind Milliarden, die für Investitionen in klimafreundliche Mobilität oder in die Gebäudesanierung fehlen werden.