So werden die Lagerkapazitäten der arabischen Ölproduzenten im Nahen Osten knapp. Das gilt auch für Saudi Arabien und den Irak. Deswegen müssen diese Länder bereits ihre Produktion zurückfahren. Das Problem dabei: Nach einer Produktionsunterbrechung dauert es, die Förderung aus den Ölfeldern wieder hochzufahren. Die Produktionskapazität kann sogar dauerhaft beschädigt werden. Das bedeutet, dass selbst nach einem möglichen Kriegsende die Öllieferungen längerfristig beeinträchtigt sind. Und die Ölpreise schnellen bereits jetzt in die Höhe. Lag der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brent vor dem Kriegsbeginn bei 71 bis 73 US-Dollar, so war er nach einer Woche Irankrieg am 6. März bereits auf 88 bis 90 US-Dollar gestiegen. Das zeigt sich auch sofort an den Tankstellen. Die günstigste Benzinsorte Super E10 lag nach nur einer Woche Krieg bereits bei zwei Euro pro Liter und Diesel erreichte bereits Spitzenwerte von 2,10 Euro.
Katars Energieminister warnte die Welt, dass bei einem längeren Andauern des Krieges noch höhere Preissprünge beim Öl eintreten könnten. Ein Preis pro Barrel Öl (159 Liter) von 150 US-Dollar wäre dann möglich. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ermittelte dafür die Folgen für die deutsche Wirtschaft: Bei einem Ölpreis von 150 US-Dollar pro Barrel würde die deutsche Wirtschaft in 2026 um 0,5 Prozent und in 2027 um 1,3 Prozent schrumpfen. Doch schon bei einem Ölpreis von 100 US-Dollar wären die Schäden dramatisch. Auch die Inflation würde wieder angeheizt. Das IW spricht zwar nur von 0,8 Prozent in 2026 und 1,0 Prozent in 2027. Doch bekanntlich geben diese offiziellen Inflationsraten die Wirklichkeit nur verzerrt wider. In den Lebensmittelgeschäften dürften die zu erwartenden Preiserhöhungen die ärmeren Schichten der Bevölkerung, die schon jetzt mit jedem Cent rechnen müssen, regelrecht in die Verzweiflung treiben. Doch die US-Regierung scheint dies nicht zu interessieren1.
Angesichts der hohen Preise fordern jetzt erste Stimmen einen Tankrabatt, um die AutofahrerInnen zu entlasten. Dies hatte es bereits 2022 gegeben, als die Steuern auf Diesel und Benzin von Juni bis August staatlich gesenkt wurden. Ökonomen sehen einen Tankrabatt eher kritisch. „Wer jetzt nach einem neuen Tankrabatt ruft, sorgt dafür, dass die Preise noch weiter steigen, weil die Unternehmen auf den staatlichen Eingriff spekuliere,“ so der Ökonom Felberger. Auch der Energieexperte des RWI, Manuel Frondel, bezeichnete einen Tankrabatt als ökonomisch bedenklich2. Die Kosten lagen 2022 bei einer Milliarde Euro pro Monat. Der Steuerrabatt kam außerdem damals nur zu einem Teil bei den AutofahrerInnen an. Stattdessen kam es zu Mitnahmeeffekten bei den Energiekonzernen. Eine schnelle Entlastung bei den Mobilitätskosten könnte dagegen durch eine deutliche preisliche Absenkung des Deutschlandtickets erreicht werden. Seit dem ersten Januar 2026 liegt der Preis bei 63 Euro pro Monat. Man könnte ihn z.B. auf 15 oder 20 Euro pro Monat heruntersetzen. Die dafür notwendigen Subventionskosten wären überschaubar. Bisher subventionieren Bund und Länder das Ticket nur mit 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Gegenfinanzieren ließe sich das problemlos durch eine Senkung der maßlosen Subventionen für den Luftverkehr. Die beträgt rund 12 Milliarden Euro pro Jahr, was maßgeblich durch die fehlende Kerosinsteuer und die Mehrwertssteuerbefreiung beitragen. Die Bundesregierung wird aber nur reagieren, wenn genügend Druck von Verbänden und auf der Straße sichtbar ist. Denn im Parlament und der Regierung geben sich leider zahlreiche Lobbyisten die Klinke in die Hand.
Die fossilen Energien, also vor allem Öl und Erdgas haben bisher zu immer wiederkehrenden Energiepreisschocks geführt. Das hat seine Ursache darin, dass sie in in wenigen Weltregionen konzentriert sind. Dazu kommt, dass wenige Konzerne und Potentaten diese Ressourcen kontrollieren. Wenn in diesen Regionen Kriege oder schwere Umweltkatastrophen auftreten, führt das immer wieder zu Energiemangelsituationen. Die Folge: Eine extreme Inflation und eine Verarmung der Bevölkerung in den Importländern. Vermeiden lässt sich das durch eine schnelle Umstellung auf erneuerbare Energien. Die schützen uns natürlich vor allem gegen ein Voranschreiten der Klimakatastrophe. Das ist bekannt, obwohl sich die herrschen politischen Kräfte und die Konzerne weigern, Gegenmaßnahmen zu treffen. Aber daneben haben erneuerbare Energien erstaunlicherweise weitere Vorteile: Sie werden auf Dauer zu niedrigeren Energiepreisen führen und die Energieversorgung wird sicherer. Zusätzlich wird ein ökologischer Umbau auch Jobs sichern. Die Voraussetzung dafür ist aber, dass die Bundesregierung endlich aufhört, die erneuerbaren Energien auszubremsen.
Werfen wir dazu zunächst einen Blick auf den Automobilsektor. Bei einer ehrlichen Bilanz stellt man schnell fest, dass Verbrenner-Fahrzeuge deutlich teurer als Elektroautos sind. So besteht ein Verbrennungsmotor aus rund 1200 Bauteilen. Dazu gehören komplexe Getriebe, komplexe Kolbenmaschinen oder die Lichtmaschine. Ein Elektromotor hat im Vergleich dazu eine sehr einfache Struktur und besteht aus maximal 200 Bauteilen. Das führt dazu, dass Elektroautos tendenziell deutliche Kostenvorteile haben. Mit der dynamischen Weiterentwicklung der Batterietechnik werden auch dafür die Kosten immer weiter fallen. Entscheidend ist aber das Gesetz der großen Serie. Wenn die Zahl der produzierten Elektroautos mit der Verbrennerproduktion gleich zieht, werden sie deutlich kostengünstiger sein. Das ist heute schon in China der Fall. Auch in Deutschland ist diese Tendenz nicht mehr zu übersehen. Bereits im Dezember hatte eine Analyse des Center Automotive Research gezeigt, dass der Preisabstand bei den 20 meistverkauften Modellen zwischen Elektro- und Verbrennerauto im Durchschnitt nur noch 1340 Euro beträgt. Für den Übergang gibt es zudem eine staatliche Kaufprämie, die bis zu 6000 Euro beträgt. Bekommt man diesen Zuschuss, dann ist das Verbrennermodell mittlerweile teurer als das Elektroauto.
Wie sieht es dann bei den Treibstoffkosten aus? Dazu hat der ADAC im November 2025 eine Vergleichsrechnung durchgeführt. Damals lag der Vergleichspreis für Benzin bei 1,67 Euro pro Liter. Schon bei diesem Preis schnitt das Elektroauto in vielen Fällen deutlich besser ab. Das zeigt die folgende Beispielrechnung: Ein Mittelklassewagen wie der VW Golf kostet bei einem Benzinpreis von 1,67 Euro pro Liter rund 10 Euro auf 100 Kilometer. Ein vergleichbares Elektroauto, wie der ID3, kostet an einem Schnellladegerät bei einem hohen Strompreis von 0,69 Cent pro Kilowattstunde 11 Euro. Das ist immerhin etwas teurer als das Fahren mit dem Verbrenner. Aber wenn man von den aktuellen 2 Euro pro Liter Benzin ausgeht, dann kostet die Fahrt damit auf 100 Kilometer rund 12 Euro. Also teurer als die Fahrt mit dem Elektroauto.
Die Karten werden völlig neu gemischt, wenn man ein Elektroauto günstiger laden kann, etwa zu Hause oder am Arbeitsplatz. Hier liegt der aktuelle Durchschittspreis bei 37 Cent pro Kilowattstunde. Im Ergebnis kosten dann 100 Kilometer Fahrt mit dem elektrischen ID3 nur noch 5,30 Euro. Damit ist ein Elektroauto in der Haltung deutlich günstiger als ein Verbrenner.
1Siehe: „Pentagon trifft Vorkehrungen für deutlich längere Dauer: US-Außenminister Rubio geht von mehreren Wochen Krieg aus“ Tagesspiegel 06.03.2026
2Siehe: „Angst vor neuem Energiepreisschock“ Handelsblatt, 6./7./8.03.2026