AfD-Leugnung versus Realität:

Der Hitzesommer 2025 in Südeuropa

Autor: Kai Hasse

Leugnung des Klimawandels von rechts


Während extreme Hitzewellen in Südeuropa die Sommer immer unerträglicher machen und die Mittelmeerregionen nach und nach austrocknen, versucht die AfD weiterhin, den menschengemachten Klimawandel herunterzuspielen. In einem vielbeachteten Beitrag auf der Plattform X schrieb die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch Anfang Juli: „Es ist warm. Früher nannten wir das Sommer. Wir hatten dann keine Angst vor Hitzetod und redeten auch nicht über Hitzeschutzpläne. Wir bekamen hitzefrei und freuten uns und gingen ins Freibad.“ Den KlimaschützerInnen wird Panikmache unterstellt. Die Rechtsradikalen leugnen schlicht die Wirklichkeit, die ihnen nicht passt. Der Sommer 2025 steht aber beispielhaft dafür, wie stark die durch Treibhausgase verursachten Klimaänderungen mittlerweile die Lebensbedingungen der Menschen verschlechtern. Die Realität ist aber: Extreme Hitzewellen nehmen zu – in Intensität, Dauer und Häufigkeit.
Trockenheit www.Pexels.com, Photo: Joetography

Spanien im Ausnahmezustand

Im August 2025 erlebte Spanien eine Hitzewelle von beispielloser Intensität. Nach Angaben der staatlichen Wetteragentur Aemet war die landesweite Durchschnittstemperatur zu Monatsbeginn die höchste seit mindestens 1950. Aufgrund der extremen Temperaturen und der damit verbundenen hohen Risiken wurden die Menschen regelrecht daran gehindert, noch auf die Straße zu gehen. Laut der spanischen staatlichen Wetteragentur Aemet ist diese Situation beispiellos. Die Hitzewochen im August sind so heiß, dass Aemet darauf hinwies, dass es seit mindestens 1950 noch nie eine so hohe Durchschnittstemperatur für ganz Spanien Anfang August gegeben habe. In diesen Tagen wurden mehrere absolute Höchsttemperaturrekorde gebrochen. Die Hitzewelle erreichte extreme Temperaturwerte. So wurden in Badajoz 45,5 °C und in den südspanischen Städten Sevilla und der Region Huelva 45,2 °C gemessen. Mitte August wurden neue Temperaturrekorde gebrochen. In einigen Gebieten stiegen die Temperaturen erneut auf 45 °C. Selbst in den nordspanischen Regionen Kantabrien und im Baskenland wurden über 40°C erreicht.
Auch Frankreich war massiv betroffen. Dort stiegen die Temperaturen im Süden und Südwesten an mehreren Tagen auf 40 °C. Parallel dazu kam es zu schweren Waldbränden, insbesondere in Departements wie Aude, die unter extremer Trockenheit litten.

Zunahme von Dauer, Häufigkeit und räumlicher Ausbreitung

Wissenschaftler weisen darauf hin, dass wir in 2025 eine Klimaentwicklung erleben, die sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird. So erklärte der Klimaexperte François Gemenne, Professor an der Hochschule HEC Paris und Mitautor des 6. IPCC-Berichts im Sender TF1: „Was wir früher als Ausnahmeereignisse betrachteten, ist in Wirklichkeit die neue Norm. Eine der Hauptfolgen des Klimawandels in Europa und Frankreich wird die Zunahme der Häufigkeit und Intensität dieser Extremereignisse sein. Diese Phänomene werden sich in den kommenden Jahren noch verstärken.“ In Zukunft könnten „möglicherweise“ Sommer mit durchgehenden Hitzewellen und „wiederholten Hitze-Episoden“ auftreten.

Hitzewellen waren „vor dem Jahr 2000 äußerst selten”, betonte Gemenne, während sie heute „immer häufiger auftreten”: „Fast zwei oder drei pro Jahr, über immer längere Zeiträume, die von Mai bis September oder Oktober reichen können.” Besonders Spanien ist von extremen Hitzewellen betroffen. Mit dem Beginn der zweiten Hitzewelle im August 2025 hat Spanien laut Daten der staatlichen Wetteragentur Aemet im 21. Jahrhundert bereits 90 Hitzewellen erlebt. In dem vergleichbar langen Zeitraum von 1975 bis 1999 gab es dagegen nur 44 Hitzewellen. Die Agentur Aemet betont, dass diese Wetterphänomene immer länger andauern und 2015 einen historischen Rekord von 26 aufeinanderfolgenden Tagen erreicht haben.

Auch wenn man die Anzahl der Tage mit Hitzewellen betrachtet, zeigt sich auf der Iberischen Halbinsel eine deutliche und statistisch signifikante Zunahme. So gab es zwischen 2000 und 2024 474 Tage mit extremer Hitze, im Gegensatz zu 212 Tagen zwischen 1975 und 1999. Das entspricht einem Anstieg von rund 50 %.

Laut der Wetterbehörde Aemet ist bei den Hitzewellen auch eine räumliche Zunahme zu verzeichnen. Jedes Jahr sind mehr Provinzen des Landes davon betroffen. Ein Sprecher der Aemet warnte zudem, dass es „immer seltener kühle Tage im Sommer“ gäbe. Das würde aber nicht ausschließen, dass die Durchschnittstemperaturen in einem Sommer durchaus einmal deutlich absacken könnten.

Klimawandel als Hauptursache

Wissenschaftliche Netzwerke wie World Weather Attribution weisen nach, dass diese Hitzewellen ohne den anthropogenen Klimawandel „praktisch unmöglich“ wären. Durch die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperaturen um mindestens zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten werden Extremereignisse nicht nur wahrscheinlicher, sondern auch deutlich intensiver. Der Zusammenhang zwischen steigenden Treibhausgasemissionen und der Häufung von Hitzewellen gilt in der Fachwelt als gesichert.

Dringender Handlungsbedarf

Die Analyse ist eindeutig: Extreme Hitzeperioden sind keine Ausnahme mehr, sondern mittlerweile ein fester Bestandteil der europäischen Sommer. Forschende betonen aber, dass es noch möglich ist, die Entwicklung zu bremsen – vorausgesetzt, die Emissionen fossiler Brennstoffe werden drastisch reduziert. Andernfalls werden Hitzewellen wie im Sommer 2025 in Südeuropa künftig noch häufiger auftreten, länger andauern und mehr Menschenleben fordern.

Quellen:

  • Czyzak P. (2025): Heat and power: impacts of the 2025 heatwave in Europe, 4 July 2025 Ember. https://ember-energy.org/latest-insights/heat-and-power-impacts-of-the-2025-heatwave-in-europe/

  • “UK and European heatwave 2025” – Grantham Institute, Imperial College London. 

  • Helder Relvas et al.: Rising Temperatures, Rising Risks: Heat-Related Mortality in Europe Under Climate Change, June 2025, Earth Systems and Environment, DOI:10.1007/s41748-025-00692-1.

  • Copernicus Marine Service: June 2025 Marks Third Warmest June on Record Globally. Record High-Intensity Marine Heatwaves Impact 62% of the Mediterranean Sea, June 2025. https://marine.copernicus.eu/press/press-releases

  • European Environment Agency (EEA): Heat-and-cold extreme heat index trends

  • Spain and England record hottest June as heatwave grips Europe, BBC 1 July 2025, www.bbc.com

  • WHO estimates 175 000 heat-related deaths in European Region every year 19. Aug 2024, https://climate-adapt.eea.europa.eu