Es reicht! Jugendproteste überall in Europa!

Politiker und kapitalistische Bosse fahren unser Land vor die Wand.

Netzwerk-Flyer

Überall in Europa beginnt die Jugend gegen die schlechten Verhältnisse und ihre miserablen Zukunftschancen zu demonstrieren: In Frankreich, Italien, Portugal, Albanien, Belgien und jetzt auch in Deutschland. Statt den jungen Menschen zuzuhören und ihre echten Sorgen zu the­matisieren, sitzen in den Talkshows bürgerliche Politiker und „Sicherheitsexperten“. Sie reden von angeblichen „Chaoten“ und „Unterwanderung“. Mit dieser Panikmache wollen sie die Proteste von Schüler*innen und Studierenden in der Gesamtheit diskreditieren und klein halten, Ängste verbreiten und von den legitimen Forderungen der Ju­gend ablenken! Doch die fühlt sich zu Recht von der aktuellen Politik um die Zukunft betrogen. Das Netzwerk-Ökosozialismus hat dazu den nachfolgenden Flyer herausgegeben, in dem beschrieben wird, was in diesem Land alles schief läuft. Die hier gelisteten Fakten sind eine Anklage gegen die herrschenden kapitalistischen Eliten.

Photo: Frankreich Schülerdemo, Autor: NPA-R

Was alles schief läuft in diesem Land:

1. Ignoranz beim Klimaschutz 

Wissenschaftler warnen seit über 35 Jahren vor den Folgen von Treibhausgasen. Die Technologie für den ökologischen Umbau ist längst da: Erneuerbare Energien, Stromspeicher, Wasserstoff-Stahl, Großwärmepumpen und ein starker Schienenverkehr. Doch die Bundesregierung blockiert den Wandel, behindert die erneuerbaren Energien und hebelt sogar das EU-Verbrenner-verbot für 2035 wieder aus. Für die kurzfristigen Profite kapitalistischer Interessengruppen werden veraltete klima-schädliche Technologien gefördert, aber gleichzeitig ökologische Jobs kaputt gemacht. Rendite ist offensichtlich wichtiger als Menschen und Umwelt.

 

2. Betonwüsten statt Hitzeschutz

 Die Kernbereiche der großen deutschen Städte sind bis zu 90 Prozent mit Asphalt, Beton, Pflaster oder Gebäuden bedeckt. Während der zu-nehmenden Hitzewellen werden diese Flächen zu Wärme-speichern. Selbst in den Nächten gibt es dann keine Abkühlung mehr. Die gesundheitlichen Folgen sind erheblich. So gab es allein im deutschen Sommer 2026 15.000 Hitzetote. Doch Bundeskanzler Friedrich Merz drückte den Angehörigen der Opfer nicht einmal sein Mitgefühl aus, während AfD-Politiker zynisch von einem „ganz normalen Sommer“ fabulierten. Statt den Autoverkehr zu Gunsten des ÖPNV zu reduzieren, Verkehrsflächen in Grünflächen umzuwandeln, Regenwasser zu speichern (Schwammstadt), reden Politiker von Sparpolitik.

 

3. Verkehrspolitiker als Interessenvertreter der Autokonzerne

Über Jahrzehnte haben die bürgerlichen Politiker im Interesse der Autokonzerne einseitig den Autoverkehr mit hunderten Milliarden Euro gefördert. Die Deutschen Bahn wurde dagegen abgewrackt. Die hessische Regierung will jetzt die A5 bei Frankfurt auf wahnwitzige 10 Spuren erweitern! Gleichzeitig wird der Preis für das klimafreundliche Deutschlandticket erneut erhöht. Dabei sollte es für alle SchülerInnen, StudentInnen und Auszubildende eigentlich gratis sein!

• 4. Ruinen statt Schulen

An deutschen Schulen liegt der Sanierungsstau laut einer Schätzung der Kreditanstalt für Wiederaufbau bei 68 Milliarden Euro. Die Folgen: Vielerorts undichte Dächer, gesperrte Schulturnhallen und mangelhafte Sanitäranlagen. Überall fehlt Lehrpersonal. Und in Bundesländern wie Hessen werden auch die Mittel für die Hochschulen drastisch gekürzt.

5. Armut trotz Arbeit

Die anhaltende hohe Inflation und die explodierende Mieten setzen auch Studierende und Auszubildende massiv unter Druck. Bezahlbarer Wohnraum fehlt an allen Ecken. Zusätzlich verschlimmern bürgerliche Politiker die Lage mit einem gnadenlosen Sozialabbau.

6. KI und Jobverluste

Die großen Tech-Konzerne investieren Billionen von Dollar in KI-Rechenzentren. Damit beginnt auch eine rücksichtslose Rationalisierungswelle. In den USA kann dadurch bereits eine zunehmende Arbeitslosigkeit bei Hochschulabsolventen festgestellt werden. Ähnliches zeichnet sich auch in Deutschland ab. Dagegen wird zu Recht ein Moratorium gegen den Ausbau der Rechenzentren gefordert.

7. Wehrdienst-Drill für die Jugend

Der Jugend wird die Zukunft genommen, aber sie soll im Militär gedrillt werden. Die Jugend verwehrt sich völlig zu Recht gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht! Friedenspolitik statt Militarisierung!

8. Deutschland eine Klassengesellschaft mit schamloser sozialer Ungleichheit


Empirische wissenschaftliche Untersuchungen (z.B. Piketty) belegen, dass sich in den letzten drei Jahrzehnten in der EU und den USA der Reichtum und damit die Macht immer stärker bei wenigen Kapitalisten konzentriert hat. Laut einer Erhebung der Bundesbank gehören heute in Deutschland den reichsten 10 Prozent 54 % des Vermögens. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung besitzt dagegen gerade mal 3 % des Vermögens. Die bürgerlichen Politiker verschließen davor ungerührt die Augen.


9. Das Geld bei den Reichen holen und die Mittel umverteilen


Geld ist eigentlich genug da: Großkapitalisten zahlen faktisch keine Erbschaftssteuer. Im ersten Halbjahr 2026 machten allein die 10 größten deutsche DAX-Konzerne Rekordgewinne von über 40 Milliarden Euro. Das Geld versickert zu einem Großteil bei reichen Aktionären. Wo bleibt die Besteuerung? Gleichzeitig verschwendet die Bundesregierung immense Steuergelder für ihre hemmungslosen Aufrüstungspläne. Allein bis 2030 will sie unfassbare 700 Milliarden Euro in das Militär stecken.

 

Wie kann die Protestbewegung erfolgreich werden?

Die französischen Jugendproteste zeigen, wie eine Protestbewegung wachsen kann. Wichtig ist, dass die sozialen Probleme, der Militarismus und die Klimapolitik gemeinsam thematisiert werden. Nur so kann eine ausreichende soziale Kraft entstehen, damit die bürgerlichen Politiker nachgeben. In Frankreich stoßen so immer neue soziale Gruppen zu den Protesten hinzu und haben sie gestärkt. Außer Schüler und Studierende auch Lohnabhängige und die Klimabewegung. Zu den Aktionsformen gehören friedliche Besetzungen und intensive Debatten über die Bewegung. Die herrschenden Eliten fürchten, dass sich die Bewegung weiter radikalisieren könnte. Die Stärke der französischen Jugendbewegung ist auch, dass sie selbst über ihre Politik bestimmt und ihre Entscheidungen nicht an irgendwelche Führungspersonen und Persönlichkeiten abgibt.