Zehntausende Hektar Land sind in Flammen aufgegangen. Hunderttausende Menschen mussten evakuiert werden. Straßen, Bahnstrecken und der Flughafen sind lahmgelegt. Angesichts dieser Katastrophe zollen wir den Feuerwehrleuten, dem medizinischen Personal, den Freiwilligen, den Landwirten und allen anderen, die einmal mehr die Bevölkerung schützen, unseren großen Respekt. Und das alles während die Politiker auf Medientour sind. Staatspräsident Emmanuel Macron versprach, dass „der Staat da sein wird “, um den Menschen zu helfen. Das hatte er aber auch schon 2022 erklärt.
Die verheerenden Waldbrände, die wir zur Zeit überall in Frankreich erleben, sind keine wirkliche Überraschung. Wissenschaftler, Feuerwehrleute und Umweltschützer warnen seit Jahrzehnten vor den Folgen des Klimawandels. Sie warnten auch vor der Anfälligkeit des heimischen Waldes, der jahrzehntelang als intensive Kiefern-Monokultur angelegt wurde. Diese Praxis, die uns jetzt auf die Füße fällt, wurde allein im Interesse der Forstwirtschaft entwickelt. Doch wenn Dürren und Hitzewellen immer häufiger auftreten, wird ein als Holzfabrik konzipierter Wald faktisch zu einem gewaltigen Brennstofflager. Verschärfend wirkt, dass die französischen Regierungen die Budgets und Ressourcen für die Verhütung und Bekämpfung von Waldbränden massiv gekürzt hat. Nur ein Beispiel von vielen: 2024 stornierte die Regierung von Gabriel Attali die Bestellung zweier Canadair-Löschflugzeuge. Und während der französische Präsident Macron Milliarden von Euro für das Militär ausgibt und Dutzende Rafale-Kampfjets bestellt, wurden im Haushaltsentwurf 2026 lediglich 209 Millionen Euro für zusätzliche Löschflugzeuge vorgesehen.
Die Brände, die wir jetzt erleben müssen, offenbaren auch die Ungleichheit der kapitalistischen Klassengesellschaft. So wurden einerseits beträchtliche Ressourcen zum Schutz der wohlhabenden Ortschaften rund um Cap-Ferret mobilisiert, was in einem scharfem Kontrast zur Situation in anderen betroffenen Gebieten steht, wie beispielsweise Le Porgeii. Hinter einer republikanischen Rhetorik der Gleichheit stecken in Wahrheit stets wirtschaftliche Interessen, das Vermögen der Reichsten und die Sorge um eine an Kapitalinteressen ausgerichtete Infrastruktur, während den Lohnabhängigen die Hauptlast der Sparmaßnahmen aufgebürdet wird. Während Hunderttausende Menschen im Großraum Bordeaux dem Feinstaub der Brände ausgesetzt sind, hat die Aufrechterhaltung des normalen Wirtschaftsbetriebs für private Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber weiterhin oberste Priorität. Und das, obwohl eigentlich gesundheitliche Präventivmaßnahmen hätten ergriffen werden müssen: Baustellen hätten in der Phase extremer Hitze und Feinstaubbelastung zum Schutze der Lohnabhängigen stillgelegt werden müssen und besonders gefährdeten Personen hätte ein Sonderurlaub gewährt werden müssen. Einmal mehr hatten Profitabilität und Gewinnmaximierung Vorrang vor der Gesundheit der Arbeiter und der Bevölkerung.
Der wahre Verursacher der Katastrophe ist bekannt: der Kapitalismus. Dieses System zerstört unser Klima, betreibt eine produktivistische Forstwirtschaft, baut öffentliche Dienstleistungen ab und steckt stattdessen lieber viele Milliarden Euro in die militärische Aufrüstung. Das ist schließlich profitabler als Ausgaben für Feuerwehrleute, Forstbehörden, Krankenhäuser oder auch Präventionsmaßnahmen aufzuwenden.
Wir fordern eine massive Aufstockung der finanziellen Mittel für das SDIS (Feuerwehr- und Rettungsdienste der regionalen Departements) sowie für das ONF (Nationales Forstamt). Zudem fordern wir eine Transformation der Forstwirtschaft, die die Bewirtschaftung unserer Wälder als industrielle Monokultur beendet und stattdessen auf Nachhaltigkeit setzt. Dafür muss das französische Militärbudget umgewidmet werden. Die frei werdenden Mittel müssen stattdessen für soziale öffentliche Dienstleistungen und einen bedarfsgerechten und ressourcenschonenden ökologischen Umbau eingesetzt werden.
Weil der Kapitalismus dabei ist, unseren Planeten zu zerstören, erleiden wir heute immer neue Hitzewellen, eine immer extremere Trockenheit und apokalyptische Waldbrandszenarien. Aber unser Leben ist mehr wert als ihre Profite.
Nouveau Parti Anticapitaliste, Montreuil, 29. Juli 2026
Fußnoten:
iGabriel Attal war unter dem Präsidenten Emanuel Macron 2024 für acht Monate Premierminister und kandidiert bei der kommenden Präsidentschaftswahl als Nachfolger von Macron.
ii Le Porge ist kein reiner Touristenort. Aufgrund der Nähe zur expandierenden Metropolregion Bordeaux arbeitet ein großer Teil der Einwohner in der Großstadt im Dienstleistungs- oder Industriesektor. Sie wohnen in Le Porge und pendeln jeden Tag nach Bordeaux. Dazu kommen Forstwirtschaft und Holzindustrie als Beschäftigungsgrundlage. In Cap Ferret regiert dagegen diskreter Luxus. Wohlhabende Pariser, Intellektuelle und internationale Prominente besitzen hier versteckte Villen im Kiefernwald. Große Luxushotels gibt es allerdings nicht; stattdessen dominieren edle Holzhäuser.